systemische Beratung für Menschen mit Handicaps

"Mein Körper ist ok, aber meine Seele humpelt."

Marie, 23 Jahre

Oft interpretieren wir bei Menschen mit einer geistigen, körperlichen oder seelischen Behinderung herausfordernde oder auffällige Verhaltensweisen als "Tick" oder als unvermeidlichen und unabänderlichen Teil ihrer Behinderung. Das führt häufig dazu, dass wir ihnen notwendige therapeutische Hilfen vorenthalten oder sie nur sehr verzögert zur Verfügung stellen.

 

Dieses ist weder mit Artikel 3 des Grundgesetzes "[...].Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." vereinbar noch mit Artikel 25 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Dort heißt es:

 

"Insbesondere stellen die Vertragsparteien Menschen mit Behinderungen eine unentgeltliche oder erschwingliche Gesundheitsversorgung in derselben Bandbreite, von derselben Qualität und auf demselben Standard zur Verfügung wie anderen Menschen."


Dieser Bereich der therapeutischen Arbeit liegt aufgrund der eklatanten Unterversorgung dieses Personenkreises besonders am Herzen, denn selbstverständlich können auch Menschen mit Handicaps in emotional krisenhafte Lebenssituationen geraten.

 

Aufgrund des Handicaps meiner 24-jährigen Tochter (Down-Syndrom) erlebe ich immer wieder Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung, Jugendliche und Erwachsene, deren Verhaltensweisen eben keine "Tics" sind.

 

Vielmehr sind es aus ihrer Perspektive und in ihrer eigenen Logik betrachtet völlig schlüssige Reaktionen auf ihr Lebenssystem, beispielsweise Ausdruck ihrer inneren Befindlichkeiten (Ängste, negatives Selbstbild, hadern mit den eigenen Grenzen, sich unverstanden fühlen und vieles mehr) oder die Reaktion auf belastende Umweltfaktoren. Das können traumatische Erlebnisse, schwer zu verarbeitende Veränderungen oder Herausforderungen, Unterforderung, Beziehungskrisen, nicht nachvollziehbare Regeln, der Verlust von Autonomie, hoher Stress und vieles andere sein.

Wie bei allen Menschen können die Strategien zu Bewältigung dieser Krisen sich zu sogenannten Symptomen entwickeln, denn wir alle neigen dazu, ein Verhalten, das einmal als erleichternd erlebt wurde, immer häufiger zu zeigen. Das können auch Verhaltensweisen sein, die außerhalb des Kontextes, in dem sie sich als nützlich und sinnvoll erwiesen haben eher unangepasst und "auffällig" wirken.

 

Was jeder und jede Einzelne als belastend erlebt, welches innere Bild daraus entsteht und wie sich jeder Mensch seine eigene Situation für sich selbst erklärt, wie seine ganz persönliche Vorstellung von der Lösung des Problems und dem Weg dorthin aussieht, welche Stärken und Fähigkeiten ein Mensch bei sich selber sieht und wo er oder sie Unterstützung haben möchte, das alles kann Inhalt von therapeutischen Sitzungen sein.

 

Da es zentraler Bestandteil des systemischen Therapieansatzes ist, immer ausgehend von den individuellen Erklärungsmustern auf ein selbst formuliertes Ziel hinzuarbeiten ist dieser Ansatz besonders geeignet für Menschen mit kognitiven Einschränkungen.

 

Mit darstellenden und narrativen (erzählenden) Methoden gelingt es, auch mit wenig sprachlichen Mitteln problemlösend zu arbeiten. Auch nichtsprachliche Zeichensysteme, Sprachcomputer oder gestützte Kommunikation sind völlig ausreichende sprachliche Mittel für therapeutisches Handeln.

 

In den meisten Fällen werden betreuende Personen (Eltern, Erzieher, Betreuer usw.) den Bedarf an psychologischer Unterstützung feststellen und die Umsetzung organisieren. 

Gehören Sie zu diesem Personenkreis, dann nehmen Sie gerne über einen der möglichen Wege Kontakt mir auf.

Organisatorisches und Finanzielles besprechen wir jeweils für den konkreten Einzelfall.